Warum mehr Features nicht mehr Kunden bringen

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  • Allgemein

Veröffentlicht: 15. Juni 2026

Lesezeit: 6 Minuten

Du baust immer mehr Features aber findest trotzdem nicht mehr Kunden? Mehr Features sind leider selten die Lösung für dein Problem.

Ein Graph der mit Kunden und Features beschriftet ist. Mehr Features heißt nicht gleichzeitig mehr Kunden!

Das Wichtigste:

Mehr Features klingen erst mal nach einer guten Sache, oft führen sie aber eher dazu, dass folgende Problem auftreten: 

  • Viel Verwirrung: Die Kunden verstehen das Produkt nicht mehr und welches Problem es wirklich löst.
  • Viel Aufwand: Die Devs müssen viel Zeit in Entwicklung, Pflege, Bug-Fixes und Dokumentation stecken.
  • Wenig Mehrwert: Die vielen gebauten Features werden nur von einem geringen Prozentsatz der User wirklich genutzt.
  • Schlechte User-Experience: Die ganze User-Experience leidet, weil die Features in der Priorität miteinander konkurrieren.
  • Unklar wofür man zahlt: Der Kunde sieht in vielen Features keinen Mehrwert und will nicht dafür zahlen.

Wenn du diesen Artikel liest, hast du vielleicht ein paar Monate oder sogar Jahre Feature-Bauen hinter dir, aber stehst am gleichen Punkt wie vor dem Bauen: Irgendwie fehlen immer noch Kund*innen.

Vielleicht glaubst du – wie wir früher auch –, dass mehr Features dazu führen, dass dein Produkt so gut wird, dass Kund*innen es einfach nutzen müssen! Oder aber du hast einen Großkunden, von dem so viel deiner Einnahmen abhängt, dass du gar nicht anders kannst, als ihm jeden Wunsch zu erfüllen.

Ganz egal, warum du immer mehr Features baust: Ich hoffe, ich kann dir mit diesem Artikel eine neue Perspektive zeigen. Eine, die dir hilft, kurz zu pausieren und darüber nachzudenken, ob mehr Features wirklich die Lösung sind oder ob genau die Features alles nur schwieriger machen.

Warum wir die Aufgabe unseres Software-Produkts aus den Augen verlieren

Jedes Software-Produkt und eigentlich jedes Angebot dieser Welt hat genau ein Ziel: ein Problem zu lösen.

Und am besten ein Problem, das so viele Leute haben und das so drückend ist, dass sie Geld dafür zahlen wollen, dass dieses Problem gelöst wird.

Wahrscheinlich hattest du, als du das erste Mal die Idee für dein Produkt hattest, auch die Hoffnung, damit ein Problem zu lösen.

Du hast das Produkt also gebaut und es auf den Markt gebracht und dann ist vermutlich Folgendes passiert, was entscheidend für deine letzten Monate war:

  • Du hast nicht genug Kund*innen gefunden
  • Du hast einen großen Kunden
Illustration von den zwei Gründen, warum wir Features bauen. Wir erhoffen uns mehr Kunden oder wir wollen das Herz des Großkunden nicht brechen!

Falle 1: Du hast nicht genug Kunden gefunden

Wenn wir nicht genug Kund*innen haben, ist meistens unsere erste Reaktion, unser Produkt infrage zu stellen: Haben wir einfach nicht genug Funktionen, um Kund*innen zu begeistern? Man fängt an, sich Produkte anzuschauen, die man selbst für Konkurrenz hält und baut dann Features nach, die die anderen auch haben.

Das Abkupfern der Features, die andere haben (und wir glauben, unser Kunde will die auch), führt allerdings oft dazu, dass man noch weniger Alleinstellungsmerkmale hat. Je nachdem, wie groß oder erfolgreich die Konkurrenz ist, wird man dann am Ende im Vergleich aber eher einfach nur als das schlechtere oder billigere Produkt gesehen.

Falls man sich nicht direkt mit der Konkurrenz vergleicht, ist der andere Weg, einfach weiter Marktsegmente dazuzunehmen. Man glaubt zum Beispiel, dass die Kundinnen, die SEO-Rankings mit unserm Tool tracken, bestimmt auch andere Marketing-Kanäle wie Facebook-Ads tracken wollen. Also baut man diese Features noch dazu – kann ja nicht schaden! (Hint: oft schon.)

Falle 2: Du hast einen Großkunden

Die zweite Falle ist, dass man ein oder zwei wichtige Großkunden hat. Das sind die Kunden, die das meiste Geld bringen und die man auf gar keinen Fall verlieren will. Also tut man eben das, was man tun muss: ihnen alle Wünsche erfüllen.

Der Kunde will eine API-Schnittschtelle für das Buchhaltungs-System seines Steuerberaters, der noch Windows 98 nutzt? Bauen wir!

Auf Wunsch des Kunden werden also neue Features gebaut, die keinen Mehrwert für all die anderen User haben. Das führt dazu, dass man mit Features endet, die das Produkt an sich nicht wirklich vorantreiben und dazu noch technischen Support brauchen und Ressourcen fressen.

Zu viele Features überfordern deine Kunden

Wenn du jetzt dein gebautes Feature-Monster bewerben willst, stehst du vor einem großen Problem: Welches Problem lösen wir eigentlich noch mal? Und für wen ist unser Produkt eigentlich?

Illustration eines Dreiecks. Das ist, was der Kunde will. Daneben 5 andere geometrische Formen, die die Anzahl der Features darstellt.

Wenn du diese Fragen nicht beantworten kannst, dann hast du kein Feature-Problem, sondern ein Problem mit deiner Positionierung. Und die Masse an Features macht das Problem nur noch schlimmer.

Je mehr Features wir haben, desto mehr wollen wir sie natürlich auch zeigen. Wir listen auf unserer Website also 15 Features auf, die alle unterschiedliche Probleme, vielleicht sogar in unterschiedlichen Marktsegmenten, lösen. Das bringt deine Marketing-Person zum Verzweifeln, da sie alles unter einen Hut bringen will (oder muss). Am Ende hat man eine mehr generische Website, die »alles löst« und den Kunden eigentlich nur massiv verwirrt. Er weiß weder genau, wofür du gut bist, noch warum er dich gerade jetzt braucht und welchen schlussendlichen Mehrwert du für ihn lieferst.

Zu viele Features, sorgen dafür, dass es:

  • für dich schwieriger wird, dein Produkt zu kommunizieren.
  • für deinen Kunden schwieriger wird, dein Produkt zu verstehen.

Die gut gemeinten Features werden mehr zu einer Last für dich und dein Team.

Deine User Experience leidet

Mehr Features, nehmen mehr Platz in der UI ein und konkurrieren darum, welches das wichtigste ist und welches immer präsent sein muss.

Illustration einer Benutzeroberfläche, auf der viele Features konkurrieren.

Wenn du oder dein Team sich unklar sind, was deine Kunden an deinem Produkt überhaupt interessiert, ist es auch schwer zu sagen, welches Feature Priorität hat.

Je mehr die UI mit Features überladen wird, desto schwieriger wird es für deinen Kunden die Aufgabe zu erledigen, die er eigentlich erledigen will.

Mehr Features führen auch hier dazu, dass dein Kunde eher überfordert und verwirrt ist. Und es wird wahrscheinlicher, dass er lieber zu einem Tool wechselt, das zwar weniger Features hat, aber ihm einfacher dabei hilft, genau die Aufgabe zu erledigen, die er gerade erledigen will.

Mehr Features fressen wertvolle Ressourcen deines Dev-Teams.

Wie du vielleicht schon schmerzlich erlebt hast: Devs sind teuer (KI-Devs auch)!

Je mehr Features du hast, desto mehr müssen sich deine Devs darum kümmern, dass diese Features auch alle richtig funktionieren. Sie müssen Tests schreiben, Updates machen, Bugs fixen etc.

Fiktives Balkendiagramm, das zeigt, dass mit jedem neuen Feature die Kosten für Dokumentation, Entwicklung und Bug-Fixed steigen.

Jedes weitere Feature sorgt für mehr technische Schulden. Und wenn die Features überhandnehmen, sind deine Devs mehr damit beschäftigt, alte Features am Laufen zu halten, anstatt neue zu implementieren.

Schon allein aus diesem Grund solltest du dir gut überlegen, ob jedes Feature deinem Best-Fit-Kunden wirklich so viel Mehrwert bringt, dass es sinnvoll ist, es zu implementieren. Oft werden 90 % der Entwicklungszeit für Funktionen aufgewendet, die nur von 10 % der Nutzer verwendet werden.

Es wird schwerer, dein Produkt zu verkaufen

Angelehnt daran, dass dein Kunde dein Produkt nicht sofort versteht, sorgen mehr Features dafür, dass dein Produkt immer schwerer zu verkaufen wird:

  • Dein Kunde versteht immer weniger, welches Problem du eigentlich löst.
  • Es wird immer schwerer für dich, dein Produkt zu erklären.
  • Dein Kunde will nicht für Features zahlen, die er gar nicht nutzt.
  • Die Kosten steigen, weil deine Devs viel zu tun haben.
  • Die Kosten steigen, weil du viel Geld für Marketing ausgibst, das unpassende Leads bringt.
Illustration davon, dass mehr Features zu verwirrten Kunden, mehr Kosten und mehr Erkläraufwand führen.

Wenn die Features eher reaktiv, als geplant sind, sorgen mehr Funktionen leider eher dafür, dass dein Produkt zu etwas wird, womit niemand so wirklich etwas anfangen kann.

Die Lösung: Eine klarere Positionierung

Jetzt bitte ich dich, folgende Fragen zu beantworten:

  • Welches Kernproblem löst dein Produkt?
  • Welche Features helfen deiner Kundschaft wirklich dabei, dieses Problem zu lösen?
  • Welche Features nutzt deine Kundschaft dafür gar nicht?
Die Lösung als Dreieck illustriert und daneben ein Kunde ebenfalls als Dreieck. Sie passen zusammen.

Wenn du den Artikel bis hierhin gelesen hast (Danke!), dann bin ich mir fast sicher, dass du diese Fragen vielleicht gar nicht beantworten kannst:

  • Weißt du, was deine Kundschaft über dein Produkt denkt?
  • Weißt du, welche Features sie wirklich nutzen?
  • Weißt du, mit welcher Konkurrenz sie dich vergleichen und warum sie dich gewählt haben?

Falls du das nicht weißt, dann sollte deine erste Aufgabe sein, es herauszufinden. Das größte Problem, das dein Wachstum behindert, sind oft nicht »zu wenige Features«. Oft liegt es eher daran, dass deine potenziellen Kunden nicht verstehen, wie dein Produkt hilft, ihr Problem zu lösen, und warum es die beste Lösung für sie ist. (Das ist auch oft ein Grund, warum dein digitales Marketing nicht funktioniert.)

Nach unserer Erfahrung wird das Problem nicht damit behoben, mehr Features zu bauen, sondern damit, dass du dir mehr Gedanken über deine Positionierung machen musst. Wie du das selbst angehen kannst, findest du hier: 5 Schritte der Positionierung. Und wenn du Hilfe dabei suchst, kannst du dir mal unseren Sprint dazu anschauen!

Tobias Roppelt lächelt in die Kamera.

Über Tobias Roppelt

Hi, ich bin Tobias, Gründer von Gehirngerecht Digital. Ich kümmere mich um unsere (und vielleicht mal deine) Strategie und Positionierung!

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Häufig gestellte Fagen

  • Wann soll man dann überhaupt Features entwickeln?

    Neue Features sollten nur dann gebaut werden, wenn sie langfristig dabei helfen, das Problem der Best-Fit-Kunden besser zu lösen. 

  • Was mach ich jetzt mit all meinen Features?

    Das kannst du nur wirklich sinnvoll entscheiden, wenn du dir über deine Positionierung klar bist und darüber, welche Features deinen Kunden wirklich einen einzigartigen Mehrwert bringen und dich von der Konkurrenz abheben. 

  • Muss ich Features streichen?

    Du musst nicht, aber darauf bin ich schon mal in diesem Artikel über die Ängste beim Positionieren eingegangen.

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