Jobs-To-Be-Done-Interviews führen

Positionierungs-Kriterien

Mit Jobs-To-Be-Done-Interviews findest du heraus, welche Aufgabe dein Kunde wirklich erledigen will und wie du deine Positionierung damit schärfst.

Ein Viereck wird Schritt für Schritt zu einem Herz reduziert. Mit den Job-To-Be-Done-Interviews findest du heraus, was Kunden wirklich brauchen.
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Worum geht's?

Customers don’t buy products. They hire them to do a job.

– Clayton Christensen

Deine Kunden kaufen eine spezifische Lösung in einer spezifischen Situation, um ein spezifisches Problem zu lösen.

Jobs-to-be-Done geht also von dem Ansatz aus, dass dein Kunde dein Produkt oder deinen Service nur nutzt, um einen gewissen Job zu erledigen.

Dieser Job ist teils funktional: »Ich will mehr Follower auf LinkedIn.« Teils aber auch emotional bzw. sozial getrieben: »Ich will als Experte wahrgenommen werden.«

Je besser du verstehst, welche funktionalen und emotionalen Bedürfnisse dein Angebot befriedigt, desto effektiver kannst du dich positionieren.

Wie wir schon beim Kunden-Insights sammeln predigen, ist das Wichtigste, was du tun kannst, deinen Kunden zu verstehen. Ein Jobs-to-be-Done-Interview ist ein extrem hilfreiches Werkzeug, um das zu tun.

Bei Jobs-to-be-Done-Interview geht es darum, dem Kunden die Fragen zu stellen, die dir die richtigen Insights liefern, um deine Produktentwicklung in die richtige Richtung zu lenken oder deine Sales- und Marketing-Erfolge zu beschleunigen.

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So gehst du es an

Matt Lerner beschreibt in seinem Buch Growth Levers, wie sie die Interviews nach der Methode nutzen, um wertvolle Insights von Kunden zu bekommen und die komplette Customer-Journey zu verstehen.

If you ask your customers “Why did you buy this?” they’ll make up a plausible answer. But it will neither be true nor useful—your customers aren’t consciously aware of their real motivations. Therefore, you need to explore the depths of their subconscious using an interview technique based on the theory of Jobs To Be Done (JTBD).

– Matt Lerner, Growth Levers

In der Methode der Customer-Journey haben wir 12 Punkte beschrieben, die wir über unseren Kunden kennen müssen, um unsere Positionierung zu schärfen und unser Marketing zu optimieren. (und nach Matt, die größten Wachstumshebel zu finden.)

Und ein Jobs-to-be-Done-Interview ist die Methode, um diese 12 Punkte zu beantworten.

Der Jobs-to-be-Done-Interview-Prozess

Der Interviewprozess hat drei Schritte. Zuerst müssen wir die richtigen Kunden für Interviews finden. Dann müssen wir das Interview führen und schließlich die richtigen Insights aus den Interviews herausarbeiten.

1 – Die richtigen Personen für Interviews finden

Interviewe keine Leute, die dein Produkt vielleicht kaufen würden, oder bestehende Langzeitkunden (die haben vergessen, wie es am Anfang war).

  • Die Zielperson: Jemand, der dein Produkt (oder das eines direkten Konkurrenten) in den letzten 30 bis 60 Tagen gekauft hat.

  • Das Ziel: Die Erinnerung an den Kaufprozess muss noch frisch und voller emotionaler Details sein.

Falls du noch keine Kunden oder kein Angebot hast, finde Leute, die ähnliche Angebote gekauft haben, die ihnen geholfen haben, das gleiche Ziel zu erreichen. Wir wollen Leute finden, die schon wirklich Zeit oder Geld investiert haben, um das Problem zu lösen.

2 – Das Jobs-to-be-Done-Interview führen

  1. Vorbereitung: Führe das Gespräch immer mit zwei Personen. Eine stellt Fragen, die andere hört aufmerksam zu oder klärt Ungereimtheiten. Am besten ist es auch, das Interview aufzuzeichnen.
  2. Einführung ins Interview: Erklärt den Ansatz des Interview-Formats: Stell dir vor, wir drehen einen Dokumentarfilm über deine Kaufentscheidung. Das klingt erst mal ungewohnt, aber ich werde dich nach allen möglichen kleinen Details fragen, und dich bitten, mich einfach so gut wie möglich durch den gesamten Prozess zu führen. Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten. Wir wollen nur deine Geschichte hören!“
  3. Wunschergebnis identifizieren: Lass die Person den Moment des Kaufs beschreiben. Frage nach allen visuellen Details: Was hast du gekauft? Wo und wann? Wer war dabei? Was hatte die Person an? Wir wollen die Person genau in den Moment zurückversetzen.

    Frage dann: „Erinnerst du dich noch, was du dir erhofft hast, tun zu können, als du unser/das Produkt gekauft hast?“ und „Warum war dir das so wichtig?“. Wir wollen die Aufmerksamkeit weg von einem bestimmten Angebot lenken und hin zu dem ursprünglichen Ziel und Problem des Kunden.

  4. Bringe sie zurück zum ersten Gedanken: Sobald du das Ziel weißt, frage: „Erinnerst du dich noch daran, als dir zum ersten Mal klar wurde, dass du [genanntes Ziel] tun musstest?“ Bringe sie auch hier wieder genau in diesen Moment zurück, indem du nach spezifischen visuellen Details fragst. Während sie die Situation beschreiben, versuche herauszufinden, was sich verändert hat, dass das Ziel plötzlich so wichtig wurde.
  5. Gehe ihre Reise Schritt für Schritt durch: Ermutige zum Weitererzählen. Höre aktiv zu, wiederhole vereinzelt ein paar Worte und lasse auch mal Pausen entstehen, damit die Person weiß, dass es völlig in Ordnung ist, weiter ins Detail zu gehen.

Nimm dir für den Prozess auch alle Fragen aus dem Customer-Journey-Kriterium und stell sicher, dass du Antworten für alle drei Phasen der Journey (Problem, Suche, Auswahl) bekommst.

3 – Insights herausarbeiten

  1. Verteile die Transkripte im Team: Idealerweise liest jede Person mindestens drei Interviews. Und jedes Interview sollte von mindestens zwei Personen gelesen werden, die dieses Interview nicht geführt haben.
  2. Bitte jede Person, Zitate hervorzuheben: Die Zitate sollten eine der Fragen der Customer-Journey beantworten. Kopiere die Zitate am Ende aus dem Transkript heraus und gruppiere sie in einem anderen Dokument. Wichtig: Du kannst kürzen aber behalte dabei die tatsächlichen Worte!
  3. Gibt es Kundensegmente mit unterschiedlichen Zielen? Dann entwirf für jeden Anwendungsfall (Use Case) unterschiedliche Customer Journeys, basierend auf deren Zielen (gewünschten Ergebnissen).
  4. Hast du alle 12 Punkte der Customer-Journey mit mehreren Zitaten gefüllt? Dann fange an, die Zitate zu Aussagen zusammenzufassen, die, die Ziel/Gefühl/Intention am besten auf den Punkt bringen. Kürze die Kundenzitate auf Phrasen herunter, die den Kern der Sache mit den Worten erklären, die deine Kunden auch tatsächlich nutzen.

Was mache ich mit den Ergebnissen des Jobs-To-be-Done-Interviews?

Die Ergebnisse der Interviews helfen dir dabei, die ganze Kundenreise zu verstehen, was wiederum dabei hilft herauszufinden:

  • Was die effektivste Positionierung für dich ist
  • Wo und wie deine Kunden nach deinem Angebot suchen
  • Welche Worte du für dein Messaging wählen musst, um sie zu überzeugen und zu Kunden zu machen

Laut Matt hatten seine Kunden die größten Erfolge durch diese Interviews.

Beispiele dafür sind:

  • Die Fotobuch-App Popsa fand heraus, dass potenzielle Kunden ihrer Produktkategorie gegenüber skeptisch waren, weil Fotobuch-Apps bekanntermaßen mühsam sind. Sie änderten ihren Slogan (ihre Tagline) in „Fotobücher in 5 Minuten“ und vervierfachten ihre App-Installationen.
  • Die FinTech-App Rebank erkannte, dass die meisten ihrer potenziellen Kunden – allesamt Startups – grundlegende Finanzfragen hatten, bevor sie bereit für Rebank waren. Also veröffentlichten sie einen detaillierten, kostenlosen Leitfaden namens »Finance for Founders«, der Tausende von qualifizierten Leads generierte und ihnen half, innerhalb von 18 Monaten um das 22-Fache zu wachsen.

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